AURELIEN DUCROZ - SKI
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INTERVIEW
Wie kamst du zum Skifahren und was zieht dich am Freeride an?
Mein Vater ist Bergführer und meine Mutter Skilehrerin, ich fing also schon als Kind an Ski zu fahren, mit zwei Jahren. Meine erstes Abfahrtsrennen fuhr ich mit fünf. Ich blieb dem Sport für etwa 10 Jahre treu, bis ich 14 war. Dann nahm ich eine Kurskorrektur vor und fing mit Skispringen an, da ich damals zu klein und zu leicht war, um bei Abfahrten wirklich gut zu sein. Ich erlitt schlimme Niederlagen und das begann mich zu wurmen. Skispringer andererseits mussten klein und leicht sein, und so sagte ich mir: „Versuchen wir's mal.“ 2002 konnte ich dann die Verbandsorganisation nicht mehr ertragen. Außerdem war ich den Hunger leid - fünf Jahre lang hatte ich Diät gehalten, um so leicht wie möglich zu bleiben. Aus psychologischer Sicht war das hart. Ich hielt es nicht mehr aus und vermisste es, nicht mehr drauβen auf dem Berg zu sein. Der Kontakt mit der Natur und der Bergwelt ist beim Skispringen nicht so eng wie beim Freeride, ich ertrug das nicht mehr. Deshalb habe ich mit dem Springen Schluss gemacht und bin zu meinen Wurzeln zurückgekehrt, diesmal als Freerider.
Welche Erinnerungen hast du an deine Siege im Nissan Xtreme-Verbier 2006 und bei den World Championships 2009?
2006 war erstaunlich, da ich damals lange aus dem Freeride herausgewesen war. Ich war 23 und einer der jüngsten Freerider auf dem Parcours. Zuerst zog ich mit Kaj Zackrisson gleich, der 10 Jahre älter ist als ich, und machte mir damit ein bisschen einen eigenen Namen. Es ist der wichtigste und technisch anspruchvollste Wettkampf, der alle Top-Rider anzieht, und dort habe ich mir meine Position in der Freeride-Welt gesichert. Den Sieg bei er Freeride World Championships 2009 werde ich nie vergessen, weil sie bis zum letzten Tag aufreibend blieben, da man nicht wusste, wer den NISSAN Xtreme - Verbier oder die World Championships gewinnen würde. Schließlich wurde ich Weltbester. Dafür hatte ich jahrelang gekämpft. Ich hatte mein Ziel erreicht und es war ein unglaublicher Tag.
Hast du eine spezielles Trainingsprogramm außerhalb der Saison, um in Form zu bleiben und dich vorzubereiten?
Mein Sommerprogramm ist mehrstufig. Ich trainiere jede Woche drei oder vier Vormittage, um sicher zu gehen, dass ich während des Sommers meine Form und Kondition halte. Ich brauche das Training, um die Strapazen auszuhalten, und ich mache das lieber mit meinem eigenen Coach, der mich motiviert, über meine Grenzen zu gehen. Auf diese Art läuft es für mich am besten.
Welche Eigenschaften muss ein guter Freerider haben? (Und was würdest du ihm raten?)
Man muss sich der Risiken bewusst sein, Verstand haben und dem Berg mit einer gesunden Portion Bescheidenheit begegnen. Wenn man anfängt, an sich selbst zu zweifeln und Angst bekommt, dann passieren Unfälle, denn man gerät in diese Art von Panik, die anschwillt wie eine Lawine ... Für mich ist Angst etwas, das einen ausbremst. Sollte ich eines Tages diese Angst spüren, höre ich auf, am Berg an den Start zu gehen.
Erzähle uns ein bisschen über deine zweite Leidenschaft: das Segeln.
Es ist für mich ein neuer Anfang in einer Umgebung, die mir nicht sehr vertraut ist, in der ich alles lernen muss, die mich interessiert und über die ich mehr erfahren will. Deshalb habe ich mein Projekt "Latitude Neige Longitude Mer" entwickelt, das diesen Herbst startet und vier Saisons in zwei Jahren angeht - zum einen zwei Saisons der Freeride World Tour, zum anderen zwei Saisons der Mini 6,50, eine Einhand-Transatlantikregatta in 6,5 m langen Yachten. Am Ende des zweiten Jahres versuche ich eine Atlantikalleinüberquerung von La Rochelle nach Salvador de Bahia, ohne Kommunikationsmittel oder Unterstützung. Ich habe zwei Jahre Zeit, sie vorzubereiten. In beiden Fällen fühlt man sich ein bisschen als Eindringling. Denn ob 50° Abhang oder 50 cm tiefer Powder, beide sind von der Natur nicht wirklich fürs Skifahren ausgelegt. Und auch eine Atlantiküberquerung in einem 6,5 m langem Boot ist von der Natur nicht vorgesehen. Man hat also ein bisschen das Gefühl, sich in verbotenes Terrain zu wagen. Aber wenn man seine Umgebung respektiert und einen kühlen Kopf bewahrt, dann schafft man es. Man muss nur vorsichtig sein.
Was sind deine Hauptziele für die kommende Saison?
Ich will natürlich bei der nächsten Freeride World Tour dabeisein, und zwar nicht just for fun ... Ich will sie gewinnen!