XAVIER DE LE RUE - SNOWBOARD
INTERVIEW
Wie kamst du zum Snowboarden und was zog dich an der Freeride-Szene an?
Ich habe ziemlich früh mit Skifahren angefangen, etwa mit 2 1/2. Ich bin Rennen gefahren und war in einem Skiclub. Dann hatte mein Bruder genug von der steifen Seite des Skis und wir versuchten das Snowboarden. Das war für uns eine ganz neue Erfahrung und wir nahmen die Herausforderung einer sich rapide entwickelnden Sportart an. Ich habe alle Etappen des Snowboardens durchlaufen, fast jedes Event ausprobiert und vier Boardercross-Meisterschaften gewonnen. Seit einigen Jahren konzentriere ich mich nun auf meine alte Leidenschaft: Freeride. Ich habe in den letzten beiden Jahren die Freeride World Tour gewonnen.
War der Wechsel von Boardercross zu Freeride nicht schwer?
Als Erstes versuchte ich, meine Geschwindigkeit zu bremsen, da alle sagten, ich sei viel zu schnell! Beim Freeride muss man langsamer fahren, da es viele Risiken gibt. Wer zu schnell ist, läuft Gefahr, sich zu verletzen. Allmählich ließ ich mich aber gehen, da ich mich wohler fühlte, wenn ich schneller war, Sprünge aus dem Schwung nehmen konnte und das Gelände schneller erfasste und besser bewältigte. Ich war in meinem Element.
Wie erinnerst du dich an die Freeride World Tour?
Dieses Jahr war das erste Jahr, in dem ich den Einsatz hochfahren und mich in der Freeride World Tour voll ausdrücken konnte. Meine Erfahrung hatte den Vorteil, dass ich die Abfahrten ganz entspannt angehen konnte. Das ist das erste Mal, dass ich zum Ende der Saison dachte: „Wow, dieses Mal habe ich gezeigt, was ich kann.“
Meinst du, du kennst den Sport jetzt in- und auswendig?
Ich freue mich, dass ich weiter viel dazulerne. Ich muss noch viel lernen und habe einen weiten Weg vor mir. Ich erfahre mehr über mich selbst, lerne, mich nach und nach selbst zu übertreffen, lerne meine Grenzen kennen, auch wenn ich die Dinge manchmal zu weit treibe, vor allem da, wo die Umgebung relativ gefährlich ist.
Wie war die Olympiade 2006 für dich und wie gehst du die nächsten Spiele an?
Ich war wirklich der Favorit, und Bordercross war zum ersten Mal olympische Disziplin. Ich dachte, der Druck könne mir nichts anhaben, aber im Endeffekt hat er mir schlimm zugesetzt. Ich glaube nicht, dass man sich zufällig verletzt. Einen Monat vor dem Wettkampf habe ich mir das Fußgelenk gebrochen und hätte eigentlich gar nicht teilnehmen dürfen. Meine Leistung spiegelte meinen Zustand wider. Zum Glück tauchte mein jüngerer Bruder plötzlich aus heiterem Himmel auf und sagte: „Was, du hast dich verletzt? Lass mal, ich mache das für dich.“ Er war großartig und holte sich eine Medaille. Aber die Olympiade ist ein einmaliges Ereignis und dieses Jahr will ich wirklich mein Bestes geben.
Welches sind deine Ziele für die nächste Saison?
Durch die Olympiade erhält meine Saison eine andere Dimension. Ich werde an der Freeride World Tour mit vier Wettkämpfen weltweit teilnehmen, genau wie an den Winterspielen in Vancouver. In beiden Fällen reise ich natürlich nicht an, nur um die Landschaft zu genießen!